Montag, 28. Dezember 2015

[Buchvorstellung] Schattenlicht- Biografischer Roman von Martin Bühler

Schattenlicht: Biografischer Roman, Gesamtausgabe von Martin Bühler
Martin Bühler Publishing
5,99 € (eBook)
16,04 € (TB)

Roman, Biografie, Geschichte

 

 

 


Heute möchte ich euch die Gesamtausgabe zum biografischen Roman "Schattenlicht" von Martin Bühler vorstellen. Ich selbst habe es noch nicht gelesen- ich bin aber super gespannt auf diese Geschichte, denn es hört sich nach einem spannenden Zeitzeugenroman an. Ich lese ja gern historische und biografische Romane vor allem aus der Zeit rund um den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Hier bekommt man diese Zeit quasi aus ersten Hand erzählt!


Worum geht es?



Schattenlicht Teil 1
Am Anfang steht ein Dachbodenfund: Als der Schriftsteller Martin Bühler sein Elternhaus entrümpelt, entdeckt er in einer Holzkiste ein Manuskript: Der Autor hält die Lebensgeschichte seines verstorbenen Vaters Matthias Bühler in den Händen, dessen biografische Aufzeichnungen von den 1920er Jahren bis in die Nachkriegszeit reichen. 
 


Im ersten Teil erleben wir die Kindheit und Jugend des Bauernjungen in einem kleinen Dorf der schwäbisch-bayerischen Hochebene. Auf Bauernhöfen wie dem der Familie Bühler sind Kinder fest als Arbeitskräfte eingeplant. Kein Wunder, dass der junge Bühler die Schule als Erholung schätzt und ihm auch die Aufgaben als Ministrant eine willkommene Abwechslung sind. So beherrscht er das bäuerliche Handwerk bereits, als er im Jahr der Machtergreifung Hitlers eine Lehre als Gärtner beginnt. Als Lehrling erlebt er, wie die braune Ideologie nach dem gesellschaftlichen Leben auch die Arbeitswelt durchdringt. Dennoch gelingt es ihm, nach erfolgreichem Abschluss der Gärtnerlehre noch eine kaufmännische Ausbildung zu durchlaufen. Teil 1 der Schattenlicht Trilogie endet mit der Reichspogromnacht am 9.November 1938.

"Ein Buch das zum Nachdenken anregt und noch lange nachhält. Eine beeindruckende Zeitreise die uns zeigt, wie wichtig es ist sich selbst ein Bild zu machen anstatt vorschnell zu urteilen."  (tamaru)*

 
Schattenlicht Teil 2
Matthias Bühlers Kampf gegen die sozialisierenden Instanzen geht weiter: mühsam und gegen den Willen der Eltern macht Bühler noch nach Kriegsbeginn sein Abitur, es gelingt ihm sogar, ein paar Semester Chemie zu studieren, dann wird er nach einer Ausbildung als Fernmelder endgültig zum Fronteinsatz eingezogen, zunächst nach Norwegen. Doch als sein NS-kritisches Tagebuch in die falschen Hände gerät, wird er strafversetzt an die Ostfront.

"Das ist Geschichtsunterricht, wie ich ihn mir selbst gewünscht hätte." (AIB)

"Stieß ich auf den ersten Teil der nun von Martin Bühler vollendeten Trilogie, in der er das Leben seines Vaters literarisch eindrucksvoll nachvollzog, noch durch Zufall, wartete ich an dessen Ende schon mit Spannung auf den zweiten." 

Schattenlicht Teil 3
Im dritten und letzten Band der Schattenlicht-Trilogie von Matthias Bühler ist der Krieg vorbei, doch das Leben wird für die Menschen nicht unbedingt leichter. Der Hunger treibt die Stadtbewohner zu den Bauern aufs Land, da braucht es schon Charakter um sich nicht an der Not anderer zu bereichern. Und die Flüchtlinge, die oft nicht viel mehr als ihre Haut retten konnten, müssen auch untergebracht und versorgt werden.
Die Besatzungsmacht ist dabei oft keine große Hilfe. Sie entnazifizieren nach einem sehr ungleichmäßigen Raster, das viele kleine Fische erfasst, so manchen dicken aber entkommen lässt. Kein Wunder, dass viele Altnazis an den Schaltstellen der Gesellschaft bleiben, wohin sie die Nazi-Diktatur gespült hat.
Für Matthias Bühler verlangt diese Zeit einen Spagat zwischen der Landwirtschaft seiner Familie und dem Chemiestudium in München. Er bringt es nicht übers Herz, seine Eltern, die immer noch auf die Rückkehr des vermissten Hoferben hoffen, mit der Landwirtschaft hängen zu lassen, auch wenn er dafür bei seiner dominierenden Mutter weder Unterstützung noch Dank erntet.
Doch seine unerschrockene Art, vor niemandem Angst zu haben, auf Menschen zuzugehen und Rückschläge wegzustecken, hilft ihm gut durch diese Zeit. Zumal er sein Fachwissen als Chemiker geschickt in seine Schwarzbrennerei einbringt und die hohe Qualität seines Schnapses das Geschäft sprudeln lässt. Eine gute Grundlage für Bühlers neue Handelsfirma, für die bald zwanzig Vertreter Aufträge hereinholen.
An sein privates Glück geht Matthias Bühler dagegen zu pragmatisch heran. Er heiratet seine beste Mitarbeiterin, die sich in dieser Position auf längere Sicht dann doch nicht bewährt, aber für unkündbar hält. Tatsächlich entartet die Scheidung zu einem schlimmen Krieg, den Bühler nur übersteht, weil er als Wissenschaftler an die Hamburger Universität wechselt, zusammen mit seiner neuen Liebe…

"Der dritte Teil von Schattenlicht, aus der Feder von Martin Bühler ist, wie bereits die ersten beiden Teile ein herausragender biografischer Roman. Man wird vom Erzählfluß gepackt und glaubt die Nachkriegszeit förmlich selbst zu erleben." (Kara Leitner)

Neugierig, aber noch nicht ganz überzeugt? Dann habe ich noch eine Leseprobe für euch:

Kindheit – Land und Dorf

Demjenigen, der im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts das Licht der Welt erblickte, standen turbulente Zeiten bevor. Wer von dieser meiner Generation in Ehren alt wurde, muss seinem Schöpfer danken. In Ehren alt zu, werden heißt in einer Zeit der regierenden Massenbewegung und des Mordens, sein Gewissen nicht belasten, seine eigene Persönlichkeit bewahren und zwischen Gut und Böse unterscheiden. Dafür sind und waren Askese, Selbstbeherrschung und Ehrfurcht vor der Kreatur die Grundlagen. Diese Grundelemente ethischer Begriffe konnten sich nur in einem Elternhaus entwickeln, in dem neben Geborgenheit auch Moral und einfache Frömmigkeit den Alltag prägten. Ich hatte das große Glück, in einem bäuerlichen Elternhaus aufzuwachsen, wo in harter Arbeit der kargen Scholle die Früchte der Erde abgerungen wurden. Die Freizeit bestand aus Gebet und Meditation. Meine Eltern waren nicht Erzieher, sie waren Vorbilder. Wenn man ein Jahr nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg in armselige Verhältnisse hineingeboren wurde, stand einem keine goldene Zukunft bevor.

Deutschland, mein Vaterland, lag siechend darnieder. Die Grenzen waren mit dem Blut der Soldaten getränkt. Wenn bei uns in der schwäbisch-bayerischen Hochebene der milde Westwind wehte, brachte er noch den Geruch verwesender Soldatenleiber aus Frankreich mit.
Diese Hochebene ist ein raues Land. Im Süden halten die Allgäuer Alpen die milden Südwinde ab; nur hin und wieder dringt der warme Föhn über die hohen Bergketten. Dann wechselt eisiger Frost über Nacht mit milder Luft aus dem Süden. Hart und rau ist nicht nur unser Klima; rau und herzlich ist auch dieser keltische Menschenschlag.

Geologisch ist unsere Landschaft geprägt vom Gebirge. Riesige Gletscher wälzten sich vor Jahrmillionen vom Faltengebirge der Alpen nordwärts zur Donau. Sie schufen unsere Täler, weite Täler, schmale Täler, kleine Schluchten, die sich nach Norden verbreitern und im Donauried verflachen. Jedes Tal von der Iller bis zum Lech hat sein eigenes Gepräge, seinen eigenen Fluss oder Bach oder sein eigenes Rinnsal. Im Süden, dem Alpenvorland, stehen die Bauernhöfe wie Burgen auf den Anhöhen. Saftiges Weideland ernährt braune Kühe. Der Allgäuer Menschenschlag ist gemütlich, wortkarg und von geruhsamer Bedächtigkeit, denn reine Grünlandwirtschaft ist weniger arbeitsintensiv.

Je weiter es ins Unterland geht, desto größer werden die Dörfer, desto abwechslungsreicher wird die Vegetation, umso intensiver die Landwirtschaft. In den Tälern hat man Wiesen, auf den Hügeln Ackerland, unterbrochen von herrlichen Wäldern. Hier gibt es für die Bauern keine Ruhepausen. Frühjahrssaat, Heu- und Getreideernte, Kartoffelernte, Waldarbeit. Das folgt drängend auf das andere. Hier im Unterland muss jeder arbeiten, sogar Kinder und Alte. Selbst das kleinste Rinnsal ist eingespannt in den Arbeitsprozess.

Schon tausend Schritte südlich meines Dorfes Balzhausen wird die quicklebendige Hasel gebändigt. Ein Holzwehr versperrt ihren Lauf, ihr Wasser wird in einen engen Kanal gepresst, wo es ein riesiges Wasserrad treiben muss, dessen Kraft mit Transmissionen auf die vertikal schwingenden Sägegatter übertragen wird. Baumstämme der umliegenden Wälder werden scharfkantig zu Balken, Brettern und Latten geschnitten. Das der Kraft beraubte Wasser erholt sich im ausgeaperten Gumpen, kreist ein paar Mal schäumend, bis es ruhelos weiterfließt und neue Kräfte schöpft. Schon am Südrand des Dorfes wartet der alte Müller Karl. Gemächlich treibt er die Fallen runter, damit die Mühlsteine seiner alten Klappermühle angetrieben werden.

Der Mühlgumpen mit seinen alten Erlen ist Tummelplatz des Dorfes. Enten und Gänse streiten und lieben sich. Kinder baden. An lauen Sommerabenden waschen Bauernknechte ihre Ackergäule von Kopf bis Fuß. Anschließend durften wir Kinder durch die Schwemme reiten. Es war aufregend, wenn das Pferd den Boden unter den Füßen verlor und in Panik seinen Kopf über Wasser hielt und seine Nüstern blähte. Wie oft ist es vorgekommen, dass ein Pferd scheute, den Reiter abwarf, sich an der ausgefransten Böschung hoch strampelte, durchs Erlengebüsch zwängte, bis es wieder festen Boden unter den Beinen hatte und im Galopp durch die Dorfstraße zum heimatlichen Stall preschte, eine Staubwolke hinter sich lassend.

Außerhalb des Dorfes war der Bach frei. Er schlängelte sich durch Wiesen und Auen, mal schmal, mal breit, mal seicht, mal tief. Wenn es ihm unter schattigen Erlen oder buschigen Weiden gut gefiel, verweilte er in tiefen Gumpen. Die Zeit war für ihn kein Begriff. Nur das Gefälle, die Schwerkraft, beflügelte sein Temperament. Mochte er sein altes Bett nicht mehr, suchte er sich einen neuen Lauf. Niemand steckte ihn in eine Zwangsjacke. Seine Nährväter waren Regen und Schnee. Wenn er wild und wütend war, verweigerte er jede Arbeit. Er überschwemmte Wiesen und Felder, und wenn ihm Müller und Säger seinen Lauf nicht freigaben, zerriss er Wehre und Böschungen. Ein Abglanz der Urkraft der Naturgewalten.

Weitere Leseproben und alles über den Autor Martin Bühler findet ihr auf seiner Autoren-Seite: http://autor-martin-buehler.de/
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* Lesestimmen von Amazon.de

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